Sonntag, 13. November 2005, 17.15 Uhr
Reformierte Kirche Egg
Samstag, 12. November 2005, 19.30 Uhr
Kirche Neumünster Zürich
Francis Poulenc: Gloria
Leonard Bernstein: Lamentation
Luis Bacalov: Misa Tango
Maria C. Schmid, Sopran
Liliane Zürcher, Mezzosopran
Gamaliel von Tavel, Bariton
Helena Rüegg, Bandoneon
Singkreis Egg
Cantus Zürich
Consortium Musicum, Orchester
Leitung: Walter Riethmann
Artikel von Walter Riethmann
Mit Kompositionen von Francis Poulenc, Leonard Bernstein und Luis Bacalov ist das mit Cantus Zürich einstudierte Programm ganz im 20. Jahrhundert angesiedelt. Frech und witzig zeigen uns die Werke, wie es in den letzten Jahrzehnten möglich geworden ist, Elemente der U - Musik mit der klassischen Musik zu vermischen.
Francis Poulenc gehört zu den wichtigsten französischen Komponisten im 20. Jahrhundert. Seine Musik, stets direkt, geistreich und nicht ohne Humor, verarbeitet collagenartig verschie-denste Zitate und Stile der Vergangenheit - eine Art musikalisches Pendant zu Jean Tinguely. Poulenc verstand sich bravourös auf die Schöpfung einprägsamer Melodien sowie auf die wirkungsvolle Schichtung von Stimmlagen, die zuweilen an die Registratur einer Orgel erinnert. Das Gloria für Chor, Orchester und Solosopran entstand 1959, also in Poulencs späten Jahren.
Der US-Amerikaner Leonard Bernstein war Pianist, Dirigent, Musikpädagoge und Komponist - und dies bei weitem nicht nur von Musicals. Er wirkte in einer Vielzahl von Stilen und Gattungen und wurde immens populär, ohne dabei auf musikalischen und inhaltlichen Tiefgang zu verzichten. Die ersten Skizzen zu Lamentation, die Bernstein später als abschliessenden Satz in seine erste Sinfonie Jeremiah integrierte, stammen aus dem Jahr 1939. Lamentation für Mezzosopran-Solo und Orchester ist der Klageschrei Jeremias über die Plünderung der Stadt Jerusalem. Er schockierte die Zuhörer zu einer Zeit, als der nationalsozialistische Genozid an den europäischen Juden eben erst bekannt wurde. Dank Bernsteins sensationellem Debut als Dirigent in der Carnegie Hall wurde die Uraufführung der Sinfonie in Pittsburgh 1944 zu einem grossen Erfolg.
Der Argentinier Luis Bacalov ist einer der ganz Grossen unter den Komponisten von Filmmusik. Er schreibt effekt- und stimmungsvolle Musik, oft mit südamerikanischen Anklängen, bei der die starren Grenzen von Volksmusik, Kunstmusik und Unterhaltungsmusik bewusst verwischt werden. Weltweite Bekanntheit erlangte Bacalov mit der Musik zu Il Postino, die ihm gar einen Oscar einbrachte. Seine starke Verbindung mit der argentinischen Musik und die Überzeugung, dass dem Tanz eine wichtige Rolle in Religion und Liturgie zukommt, gaben den Anlass zur 1999 uraufgeführten Misa Tango. Der Chor wird dabei nicht nur von einem grossen Sinfonieorchester, Klavier und zwei Gesangssolisten begleitet, sondern auch vom Bandoneon, der urtümlichen deutschen Knopforgel, die sich in der argentinischen Tangomusik erhalten hat.
Der Singkreis Egg und Cantus Zürich haben sich erstmals für ein gemeinsames Konzert zusammengetan. Die anspruchsvollen Werke erforderten von beiden Chören eine lange Vorbereitungszeit, zu der auch ein gemeinsames Probenwochenende in Quarten am Walensee gehört hat. Es galt ja, einen neuen Musikstil und in der Tango-Messe gar südamerikanische Rhythmen zu erlernen! Begleitet werden die Chöre vom Consortium Musicum, das für ein Mal zu einem veritablen Sinfonieorchester herangewachsen ist, als Solisten sind Maria C. Schmid, Sopran, Liliane Zürcher, Mezzosopran, Gamaliel von Tavel, Bariton, sowie die in Buenos Aires und Köln lebende Bandoneonistin Helena Rüegg zu hören.