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Konzert: Das Ungewisse - Brahms, Eisler, Dvořák

Samstag, 12. Juni 2010 19.00 Uhr
Rümlang, Pfarrei St. Peter

Sonntag 13. Juni 2010 17.15 Uhr
Reformierte Kirche Egg

Johannes Brahms (1833–1897)

Schicksalslied

Hanns Eisler (1898–1962)

Drei Etüden aus der "Deutschen Sinfonie"

Antonín Dvořák (1841–1904)

Te Deum

Inhaltsverzeichnis dieser Seite

  1. Zum Kulturprojekt "Das Ungewisse"
  2. Aufbau der Werke
  3. Text "Te Deum"
  4. Gedichte von Bertold Brecht
  5. Mitwirkende
  6. Programmheft

Zum Kulturprojekt "Das Ungewisse"

Der Zufall ist das Pseudonym, das der liebe Gott wählt, wenn er inkognito bleiben will.
Albert Schweizer

Die philosophische Anthropologie befasst sich seit Jahrzehnten mit den Fragen, die wir in diesem Konzertprogramm auf musikalische Art erläutern und stellt fest:

„Wir sind in der ungefähr zehntausendjährigen Geschichte das erste Zeitalter, in dem sich der Mensch vollig und restlos problematisch geworden ist: in dem er nicht mehr weiß, was er ist; zugleich aber auch weiß, dass er es nicht weiß.“ (Max Scheler)

Mit den Paukenschlägen des «Te Deum» op. 103 von Antonín Dvořák eröffnet unser Konzertabend. Die grosse «Ambrosianische Lobeshymne» erklingt in der 1892, anlässlich der 400-Jahr-Feier der Entdeckung Amerikas, komponierten Fassung des tschechischen Komponisten. Das Werk besingt auf eindrücklich wuchtige und festliche Art die Ehre Gottes. Der Legende nach entstand der Text im 4. Jahrhundert, in der Nacht als Augustinus (als Erwachsener) von Ambrosius (zu der Zeit Bischof von Mailand) getauft wurde. Vom Geist ergriffen stimmte Ambrosius diesen Hymnus an und Augustinus antwortet in gleicher Begeisterung Vers um Vers. Die tatsächliche Entstehung konnte aber immer noch nicht belegt werden. Liturgiewissenschaftler gehen vom Anfang des 4. Jahrhundert aus. Der Gebrauch des Textes in seiner heutigen Gestalt wird auf eine altlateinische Abendmahlsliturgie der spanischen Kirche des 4. Jahrhunderts zurückgeführt.

In der jahrtausendealten Geschichte des Textes wurde der Inhalt immer wieder von der Politik vereinnahmt, so dass das «Te Deum» schliesslich nicht mehr allein der Ehre Gottes galt, sondern auch dem Ruhme eines Herrschers (wie im Jahre 800 bei der Krönung Karls des Grossen). Auch bei Siegesfeiern triumphaler Herrscher wurde dieser Text missbraucht zum Beispiel nach der entsetzlichen «Bartholomäusnacht» 1572, in der unzählige Hugenotten ermordet wurden.

Im Anklang an die Missbrauchsgeschichte des Te Deums erklingt im starken Gegensatz zu dem Jubelgesang die Etüden für Orchester von Hanns Eisler. Wir befinden uns plötzlich in den düsteren Abgründen des Krieges. Aus der «Deutschen Sinfonie» op. 50 erklingen drei Orchester-Etüden. Eisler begann seine Arbeit an dem abendfüllenden Werk für Chor, Solisten und Orchester in 1933 und beendete dieses 1947. Zur Uraufführung gelangte die Sinfonie aber erst 1959 in Berlin – die politischen und gesellschaftskritischen Inhalte des Werkes hatten über Jahrzehnte die öffentliche Aufführung verhindert.

Ergänzt durch Gedichte von Bertolt Brecht, führen diese drei Etüden in die Abgründe der Menschheit. Die uralten Fragen nach der Existenz Gottes und dem grausamen Gott, der Chaos und Gräuel zulässt, und die jeden Christen in seinem Leben wohl einmal bewegen, werden durch die Texte Brechts und die Musik Eislers treffend beleuchtet.

Das «Schicksalslied» von Johannes Brahms soll dem Konzertprogramm «Das Ungewisse» einen im wahrsten Sinn «offenen» Ausklang bereiten. Im Gegensatz zu den lauten Jubelklängen Dvořáks und den bisweilen chaotisch anmutenden Orchester-Etüden Eislers, entführt uns Brahms in eine Welt der sanften und ätherischen Klänge.

Dieses im 1870 vollendete Werk auf den Hölderlin-Text – «Hyperions Schicksalslied», stellt die Frage nach der «Ruhestätte» für den Menschen. Können oder sollen wir wie die «Himmlischen» danach streben, schicksalslos und mit ewig blühendem Geist und ewig klarem Auge droben im Licht zu wandeln? Oder ist es uns «leidenden Menschen» gegeben, «wie Wasser von Klippe zu Klippe geworfen, Jahre lang ins Ungewisse hinab» zu fallen? Das Werk ist beispielhaft für die Textbehandlung in Brahmsʼ Chorwerken mit dem Wort als Ausgangspunkt der Komposition. Allerdings ergänzt der Komponist den Text Hölderlins. Dieser endet mit der verzehrenden Ungewissheit des menschlichen Schicksals. Brahms komponiert einen offenen Ausgang. Die Hoffnung erklingt im leuchtenden Nachspiel des «Schicksalslied».

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Aufbau der Werke und die Texte

Antonín Dvořák Te Deum Opus 103

Originaltext

I Allegro moderato, maestoso

Te Deum laudamus,
Te Dominum confitemur.
Te aeternum patrem omnis terra veneratur.
Tibi omnes Angeli,
tibi caeli et universae potestates,
tibi Cherubim et Seraphim incessabili voce proclamant:

Sanctus, sanctus, sanctus
Dominus Deus Sabaoth.
Pleni sunt caeli et terra majestatis gloriae tuae.
Te gloriosus Apostolorum chorus,
Te Prophetarum laudabilis numerus,
Te Martyrum candidatus laudat exercitus.
Te per orbem terrarum sancta confitetur Ecclesia:
Patrem immensae majestatis;
venerandum verum et unicum Filium;
sanctum quoque Paraclitum Spiritum.

II Lento maestoso

Tu, Rex gloriae, Christe!
Tu Patris sempiternus est Filius.
Tu ad liberandum suscepturus hominem non horruisti Virginis uterum.
Tu devicto mortis aculeo, aperuisti credentibus regna caelorum.
Tu ad dexteram Dei sedes, in gloria Patris.
Judex crederis esse venturus.
Te ergo quaesumus, tuis famulis subveni, quos pretioso sanguine redemisti.

III Vivace

Aeterna fac cum Sanctis tuis in gloria numerari.
Salvum fac populum tuum, Domine, et benedic haereditati tuae.
Et rege eos et extolle illos usque in aeternum.
Per singulos dies benedicimus te.
Et laudamus nomen tuum in saeculum et in saeculum saeculi.

IV Lento

Dignare, Domine, die isto sine peccato nos custodire.
Miserere nostri, Domine, miserere nostri.
Fiat misericordia tua, Domine, super nos, quemadmodum speravimus in te.
In te, Domine, speravi:
non confundar in aeternum. Benedicamus Patrem, et Filium, cum Sancto Spiritu.
Alleluja!
Laudemus et superexaltemus eum in saecula.
Alleluja!

Übersetzung

I Allegro moderato, maestoso

Dich, Gott, loben wir,
Dich, Herr, preisen wir.
Dir, dem ewigen Vater, huldigt das Erdenrund.
Dir rufen die Engel alle,
Dir Himmel und Mächte insgesamt,
die Cherubim Dir und die Seraphim mit niemals endender Stimme zu:

Heilig, heilig, heilig
der Herr, der Gott der Heerscharen.
Voll sind Himmel und Erde von Deiner hohen Herrlichkeit.
Dich preist der glorreiche Chor der Apostel,
Dich der Propheten lobwürdige Zahl,
Dich der Märtyrer leuchtendes Heer.
Dich preist über das Erdenrund die heilige Kirche:
Dich, den Vater unermesslicher Majestät;
Den verehrungswürdigen, wahren und einzigen Sohn;
wie den Heiligen Geist, den Tröster.

II Lento maestoso

Du König der Herrlichkeit, Christus!
Du bist des Vaters allewiger Sohn.
Du hast der Jungfrau Schoß nicht verschmäht:
Bist Mensch geworden, den Menschen zu befreien.
Du hast bezwungen des Todes Stachel und denen, die glauben, die Reiche der Himmel aufgetan.
Du sitzest zur Rechten Gottes in Deines Vaters Herrlichkeit.
Als Richter, so glauben wir, kehrst du einst wieder.
Dich bitten wir denn, komme Deinen Dienern zu Hilfe, die Du erlöst mit kostbarem Blut.

III Vivace

In der ewigen Herrlichkeit zähle uns Deinen Heiligen zu.
Rette dein Volk, o Herr, und segne dein Erbe.
Und führe sie und erhebe sie bis in Ewigkeit.
An jedem Tag benedeien wir Dich
und loben in Ewigkeit deinen Namen in der ewigen Ewigkeit.

IV Lento

In Huld wollest Du, Herr, an diesem Tag uns ohne Schuld bewahren.
Erbarme dich unser, o Herr, erbarme dich unser!
Lass Dein Erbarmen über uns geschehen, wie wir gehofft auf Dich.
Auf dich, o Herr, habe ich meine Hoffnung gesetzt:
lass mich in Ewigkeit nicht zuschanden werden.
Lasst uns preisen den Vater und den Sohn mit dem Heiligen Geist.
Halleluja!
Lasst uns ihn loben und erhöhen in Ewigkeit.
Halleluja!

Übersetzung nach Romano Guardini

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Bertolt Brecht: Gedichte

Moderne Legende

Als der Abend übers Schlachtfeld wehte
waren die Feinde geschlagen.
Klingend die Telegraphendrähte
haben die Kunde hinausgetragen.

Da schwoll am einen Ende der Welt
ein Heulen, das am Himmelsgewölbe zerschellt'
ein Schrei, der aus rasenden Mündern quoll
und wahnsinnstrunken zum Himmel schwoll.
Tausend Lippen wurden vom Fluchen blaß,
tausend Hände ballten sich wild im Haß.

Und am andern Ende der Welt
ein Jauchzen am Himmelsgewölbe zerschellt'
ein Jubeln, ein Toben, ein Rasen der Lust,
ein freies Aufatmen und Recken der Brust.
Tausend Lippen wühlten im alten Gebet,
tausend Hände falteten fromm sich und stet.

In der Nacht noch spät
sangen die Telegrafendräht'
von den Toten, die auf dem Schlachtfeld geblieben - -
siehe, da ward es still bei Freunden und Feinden.
Nur die Mütter weinten
hüben - und drüben.

Aus «Deutsche Kriegsfibel»

Such nicht mehr, Frau: du wirst sie nicht mehr finden!
Doch auch das Schicksal, Frau, beschuldige nicht!
Die dunklen Mächte, Frau, die dich da schinden
Sie haben Namen, Anschrift und Gesicht.

Oh, hättet ihr, nun für euch selbst zu kämpfen
Ein Zehntel eurer Kraft noch, Kampfesmüde:
Die Welt, in Todes- und Gebärungskrämpfen
Wär froh, daß sie sich, euch zu schlagen, mühte.

Seht unsre Söhne, taub und blutbefleckt
Vom eingefrornen Tank hier losgeschnallt:
Ach, selbst der Wolf braucht, der die Zähne bleckt
Ein Schlupfloch! Wärmt sie, es ist ihnen kalt.

So haben wir ihn an die Wand gestellt:
Mensch unsresgleichen, einer Mutter Sohn
Ihn umzubringen. Und damit die Welt
Es wisse, machten wir ein Bild davon.

Hymne an Gott

1
Tief in den dunklen Tälern sterben die Hungernden.
Du aber zeigst ihnen Brot und lässest sie sterben.
Du aber thronst ewig und unsichtbar
Strahlend und grausam über dem ewigen Plan.

2
Ließest die Jungen sterben und die Genießenden
Aber die sterben wollten, ließest du nicht.....
Viele von denen die jetzt vermodert sind
Glaubten an dich und starben mit Zuversicht.

3
Ließest die Armen arm sein manches Jahr
Weil ihre Sehnsucht schöner als dein Himmel war
Starben sie leider, bevor mit dem Lichte du kamst
Starben sie selig doch – und verfaulten sofort.

4
Viele sagen, du bist nicht und das sei besser so.
Aber wie kann das nicht sein, das so betrügen kann?
Wo soviel Leben von dir und anders nicht sterben konnten –
Sag mir, was heißt das dagegen - daß du nicht bist?

Bauernkantate aus «Deutsche Sinfonie» Op. 50 Hanns Eisler

Missernte

Wenn Gott sich nicht um den Regen kümmert,
um was kümmert er sich dann?
Wenn er die Macht hat, sich um den Regen zu kümmern,
und erlaubt einem Orkan, die Armen zu ruinieren,
was ist das für ein Gott?

Gibt es denn keine Gerechtigkeit, die er fürchten muß?
Ist es denn möglich, daß er niemand Rechenschaft schuldig ist?
Wenn Gott sich nicht um den Regen kümmert,
um was kümmert er sich dann?

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Mitwirkende

Solisten

Lisa-Jeanne Lorenz, Sopran
Cheyne Davidson, Bariton
Mehmet Atesci, Sprecher

Leitung

Ernst Buscagne

Chor

Singkreis Egg zusammen mit dem okumenischen Kirchenchor Rümlang

Orchester

ORCHESTER21
Konzertmeister: Sandro Tigishvili

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