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Konzert: Felix Mendelssohn Bartholdy

Sonntag, 8. November 2009, 17.15 Uhr
Reformierte Kirche Egg

Felix Mendelssohn Bartholdy
(1809–1847)

Die Hebriden-Ouvertüre op. 26

Christus – unvollendetes Oratorium op. 97
Teil 1: Die Geburt Christi
Teil 2: Das Leiden Christi

Der 42. Psalm op. 42
«Wie der Hirsch schreit»

Zu den aufgeführten Werken

Felix Mendelssohn-Bartholdy war ein Frühstarter, ein echtes Wunderkind, und dies als Pianist wie als Komponist. Dazu kamen andere Talente, literarische, malerische und auch organisatorische. Gleichzeitig führte eine umfassende Bildung dazu, dass schon der junge Mendelssohn hochste Ansprüche an sich selbst stellte, ganz auf der Hohe seiner Zeit.

Die Auseinandersetzung mit den Traditionen der Musik und das bewusste Weitergehen auf den vorbereiteten Wegen waren für ihn der Kern aller seiner Bemühungen. So war er es, der im März 1829 Bachs Matthäuspassion wieder entdeckte und im Alter von zwanzig Jahren in einer denkwürdigen Aufführung der offentlichkeit präsentierte. Gleich nach dem Erfolg der Aufführung der Matthäuspassion reiste Mendelssohn nach England und weiter nach Schottland. Hier kamen ihm im August die wesentlichen Ideen zu einem Orchesterstück, inspiriert von den Erlebnissen der «odesten Einsamkeit», der Urgewalt des Meeres und des regnerischen und stürmischen Wetters bei der überfahrt zur Inselgruppe der Hebriden. Gut fünfzehn Monate später arbeitete er jene ersten Melodieskizzen aus, die er sogleich brieflich nach Hause gesandt hatte. Erst die zweite, vollig überarbeitete Fassung der Ouvertüre erachtete der skrupulose Mendelssohn als gelungen genug, um sie der offentlichkeit vorzustellen: Er dirigierte die Uraufführung anlässlich seiner nächsten Englandreise im Mai 1832 in London.

Heute verbindet man den Namen Mendelssohns vor allem mit der «Schottischen» wie der «Italienischen» Sinfonie, mit dem Violinkonzert, dem «Sommernachtstraum» und mit solchen Orchesterwerken wie der «Hebriden»-Ouvertüre, op. 26. Dabei werden wichtige Werke dieses vielseitigen Komponisten ausgeblendet, etwa das geistliche Chorwerk. Immerhin war Mendelssohn von Konig Friedrich Wilhelm IV. dazu ausersehen worden, die Kirchenmusik in Preussen zu reformieren. Den Hintergrund für diese Entscheidung bildeten Werke wie die Vertonung des 42. Psalms, die bis nach dem Ersten Weltkrieg zu Mendelssohns beliebtesten Vokalwerken gehorte.

Einem Komponisten des frühen 19. Jahrhunderts, der als Künstler wahrgenommen werden wollte, war es nicht mehr moglich, routinemäßig Musik zur blossen Unterhaltung oder Repräsentation auf den Markt zu werfen. Jedes Werk sollte neuartig, originell, unverwechselbar sein und sich damit für sein Weiterleben über den Tod des Komponisten hinaus empfehlen. Dieses Ziel hat Mendelssohn mit seinem 1837/38 komponierten «42. Psalm», op. 42 durchaus erreicht. Schon Robert Schumann stellte in seinem Bericht von der Uraufführung fest, dass Mendelssohn hierin das Kirchliche mit seinen Anleihen bei früherer Musik auf ideale Weise mit der weltlichen Musiksprache der zeitgenossischen Sinfonik zu verbinden wusste.

Dass Chorgesang nicht mehr nur an Kirche und Oper gebunden blieb, sondern zu einer Angelegenheit ganzer Bevolkerungsschichten wurde, war eine Errungenschaft der romantischen Epoche. Wesentliche Impulse gingen dazu vom Schweizer Verleger und Sängervater Hans-Georg Nägeli aus. Gesang in unterschiedlichen Besetzungen – als Kinder-, Männer-, Frauen- oder gemischter Chor – diente auch einem Gemeinschaftserlebnis, wie es erst seit der Franzosischen Revolution, im Zeichen von Gleichheit und Brüderlichkeit, denkbar geworden war. In diesem Geiste entstanden Musikfeste, an denen riesige Chore große Oratorien und andere Chorwerke aufführten – ein wesentlicher Impuls ging dazu auch von der englischen Aufführungstradition der Oratorien Georg Friedrich Händels aus. Zu solchen Zwecken entstanden Mendelssohns biblische Oratorien «Paulus» (1836) und «Elias» (1846). Im Frühjahr 1847 trug sich Mendelssohn mit dem Gedanken, diesen beiden Oratorien ein drittes folgen zu lassen, das die alttestamentlich-jüdische Welt des «Elias» mit der christlich-neutestamentlichen des «Paulus» verbinden sollte. Davon sind aber vor Mendelssohns unerwartetem Tod am 4. November 1847 – im Alter von 38 Jahren – nur noch einzelne Teile entstanden, die später als Opus 97 gedruckt worden sind. Eine Aufführung dieser «Christus»-Fragmente vermag immerhin einen Eindruck zu vermitteln von dem geplanten Oratorium, das der Nachwelt vorenthalten blieb.

Mitwirkende

Solisten

Lisa-Jeanne Lorenz, Sopran
Jörg M. Krause, Tenor

Leitung

Ernst Buscagne

Soloquartett

Jörg M. Krause, Tenor
Matthias Müller, Tenor
Chasper Curo Mani, Bass
Hans Frauchinger, Bass

Chor

Singkreis Egg

Orchester

Symphonisches Orchester Zürich
Konzertmeister, Robert Zimansky

Texte

Christus

Teil I
«Die Geburt Christi»

Rezitativ (Sopran-Solo):
Da Jesus geboren war zu Bethlehem
im jüdischen Lande,
da kamen die Weisen
vom Morgenlande gen Jerusalem
und beteten ihn an.

Terzett (Tenor, Bass I, Bass II):
«Wo ist der neugeborne Konig
der Juden?
Wir haben seinen Stern geseh’n
und sind gekommen, ihn anzubeten.»

Chor:
Es wird ein Stern aus Jakob aufgeh’n
und ein Szepter aus Israel kommen,
es wird ein Stern aus Jakob aufgeh’n,
der wird zerschmettern Fürsten
und Städte.

Wie schon leuchtet der Morgenstern!
O welch’ ein Glanz geht auf
vom Herrn,
uns Licht und Trost zu geben!
Dein Wort, Jesu, ist die Klarheit,
führt zur Wahrheit und zum Leben.
Wer kann dich genug erheben?

 

Teil II
«Das Leiden Christi»

Rezitativ (Tenor-Solo):
Und der ganze Haufe stand auf
und fing an, ihn zu verklagen
und zu schmähen:

Chor:
«Diesen finden wir, dass er das Volk abwendet und verbietet,
den Schoss dem Kaiser zu geben,
und spricht, er sei Christus, ein Konig!»

Rezitativ (Tenor-Solo):
Pilatus sprach zu den Hohenpriestern
und zum Volk: «Ich finde keine
Ursach’ an diesem Menschen.»
Da schrieen alle:

Chor:
«Er hat das Volk erregt damit,
dass er gelehret hat hin und her
im ganzen Lande,
und hat in Galiläa angefangen
bis hieher.»

Rezitativ (Tenor-Solo):
Pilatus aber sprach:
«Ich finde keine Schuld an ihm,
darum will ich ihn züchtigen
und loslassen.»
Da schrie der ganze Haufe:

Chor:
«Hinweg mit diesem, hinweg,
und gib uns Barrabam los!»

Rezitativ (Tenor-Solo):
Da rief Pilatus abermals zu ihnen
und wollte Jesum loslassen,
sie aber schrieen:

Chor:
«Kreuzige ihn!»

Rezitativ (Tenor-Solo):
Pilatus spricht zu ihnen:
«Nehmet ihr ihn hin und kreuziget ihn, denn ich finde keine Schuld
an ihm.»

Chor:
«Wir haben ein Gesetz,
und nach dem Gesetz soll er sterben, denn er hat sich selbst
zu Gottes Sohn gemacht.»

Rezitativ (Tenor-Solo):
Da überantwortete er ihn, dass
er gekreuzigt würde. Sie nahmen Jesum und führten ihn hin zur Schädelstätte.
Es folgte ihm aber nach ein
grosser Haufe Volks, und Weiber,
die klagten und beweineten ihn.

Chor:
Ihr Tochter Zions, weint über
euch selbst und über eure Kinder.
Weint über euch selbst!
Denn siehe, es wird die Zeit kommen, da werdet ihr sagen
zu den Bergen:
Fallt über uns! und zu den Hügeln:
Deckt uns!

Choral:
Er nimmt auf seinen Rücken
die Lasten, die mich drücken
bis zum Erliegen schwer.
Er wird ein Fluch, dagegen
erwirbt er mir den Segen
und o wie gnadenreich ist der!

Wo bist du Sonne blieben?
Die Nacht hat dich vertrieben,
die Nacht, des Tages Feind.
Fahr’ hin, du Erdensonne,
wenn Jesus, meine Wonne,
noch hell in meinem Herzen scheint.

Psalm 42

Chor:
Wie der Hirsch schreit
nach frischem Wasser,
so schreit meine Seele, Gott, zu Dir.

Arie (Sopran-Solo):
Meine Seele dürstet nach Gott,
nach dem lebendigen Gotte,
wann werde ich dahinkommen
dass ich Gottes Angesicht schaue?

Rezitativ und Arie (Sopran-Solo und Chor):
Meine Tränen sind meine Speise
Tag und Nacht,
weil man täglich zu mir saget:
«Wo ist nun Dein Gott?»
Wenn ich dess’ inne werde,
so schütte ich mein Herz aus bei mir selbst.

Denn ich wollte gern hingehen
mit dem Haufen und mit ihnen
wallen zum Hause Gottes,
mit Frohlocken und mit Danken
unter dem Haufen, die da feiern.

Chor:
Was betrübst Du Dich meine Seele,
und bist so unruhig in mir?
Harre auf Gott, Harre auf Gott!
Denn ich werde Ihm noch danken,
dass er meines Angesichts Hilfe und mein Gott ist.

Rezitativ (Sopran-Solo)
Mein Gott, betrübt ist meine Seele in mir.
Darum gedenke ich an Dich!
Deine Fluten rauschen daher,
Dass hier eine Tiefe
und dort eine Tiefe brausen,
alle deine Wasser wogen
und Wellen geh’n über mich.
Mein Gott, betrübt ist meine Seele in mir!

Quintett (Sopran-Solo und Soloquartett):
Der Herr hat des Tages
verheissen seine Güte,
und des Nachts singe ich zu Ihm
und bete zu dem Gott meines Lebens.

Mein Gott, betrübt ist meine Seele in mir,
warum hast Du meiner vergessen?
Warum muss ich so traurig geh’n?
Warum hast Du meiner vergessen,
wenn mein Feind mich drängt?

Chor:
Was betrübst du dich, meine Seele,
und bist so unruhig in mir?

Harre auf Gott, harre auf Gott!
Denn ich werde Ihm noch danken,
dass er meines Angesichts Hilfe
und mein Gott ist.

Preis sei dem Herrn,
dem Gott Israels
von nun an bis in Ewigkeit.

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