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Konzert: Gioachino Rossini - La Petite Messe Solonnelle

Sonntag, 9. November 2008, 17.15 Uhr
Reformierte Kirche Egg

Gioachino Rossini - Petite Messe Solennelle

Für vier Solostimmen, Chor, Harmonium und Klavier

Werkbeschreibung

Rossinis Petite Messe Solennelle - ein eigentümliches Juwel, ein musikalisch hochkarätiger Edelstein: keck, frivol, humorvoll, opernhaft und zugleich archaisch, die grossen Meister gekonnt parodierend ist sie alles andere als "klein".

Ein kompositorisches Unikum: 30 Jahre nach seiner letzten grossen Oper greift der mit allen Zeitstromungen vertraute, kulinarisch verwohnte Maestro Rossini nochmals zu seiner Feder und fügt sich still und heimlich in die Rehe der grossen Meister der Kirchenmusik ein.

Gliederung

Kyrie
Gloria
Gratias Agimus Tibi
Domine Deus
Qui Tollis Peccata Mundi
Quoniam Tu Solus Sanctus
Cum Sancto Spiritu
Credo
Crucifixus
Et Resurrexit
Sanctus
O Salutaris
Agnus Dei

Besetzung

4 Soli

Judith Graf, Sopran
Barbara Kandler, Mezzosopran
Michael Nowak, Tenor
Martin Hensel, Bariton

Chor

Singkreis Egg

Piano

Walter Prossnitz, Piano

Harmonium

Ursula Hauser, Harmonium

Leitung

Walter Riethmann

Entstehungsgeschichte

Der 1792 geborene Rossini hatte bis 1820 ungefähr 30 Opern geschrieben, dann liess das hektische Arbeitstempo nach. Er übernahm 1824 die Leitung des Théâtre Italien in Paris, schrieb bis 1829 noch vier Opern in franzosischer Sprache und entschloss sich dann, mit 37 Jahren, das Opernhandwerk aufzugeben. Er lebte fortan noch fast 40 Jahre als Frührentner, Gentleman, Lebenskünstler und Feinschmecker. In dieser Zeit entstanden eine ganze Reihe kleinerer Kompositionen die Rossini scherzend als "péchés de ma viellesse" (Alterssünden) nannte. An umfangreicheren Werken komponierte er ein "Stabat mater" und 5 Jahre vor seinem Tod (1868) diese Messe.

Aufführungsgeschichte

Die erste Aufführung fand im März 1864 im Beisein des Komponisten im Hause der Gräfin Louise Pillet-Will statt, vor einer handvoll erlesener Gäste, unter denen sich Meyerbeer, Auber und Ambroise Thomas befanden. Enthusiastische Rezensionen folgten. Trotz der überwältigenden Aufnahme weigerte sich Rossini das Werk zu veroffentlichen, was vollig seiner Gepflogenheit entsprach, die "Alterssünden" der offentlichkeit vorzuenthalten. Auf Drängen verschiedener Seiten entstand dann später noch eine orchestrierte Fassung der Messe. Der Singkreis Egg führt aber die Originalfassung für Solostimmen, Chor, Piano und Harmonium auf.

Kirchenmusik vs. Weltliche Musik

Die "Petite messe solennelle" gehort zu Rossinis eindrucksvollsten sakralen Werken. In ihr zeigen sich neben erstaunlicher harmonischer Tiefe und lyrischer Erfindungskraft auch eine virtuose Behandlung der Stimmführung und polyphone Konstruktionen, wie in den Doppelfugen des "Gloria" und "Credos". Ausserordentliche melodische Expansitivität und Expressivität finden sich im Bass-Solo des "Quoniam", im Tenor-Solo des "Domine Deus" oder im Sopran-Solo des "Cruzifixus". Bei letzterem mag die Diskussion über die ästhetik kirchlicher Musik und die Frage, was den "kirchlichen Stil" auszeichnet, erneut auftauchen. Dies umso mehr, da der Komponist in erster Linie als Schopfer "säkulärer" Musik betrachtet wird.

Und da erhebt sich die Frage, ob es für einen Komponisten legitim ist, operistische Kompositionskriterien auch für kirchliche Werke zu verwenden. So ist bei Rossini dieser Vorwurf oft aufgetaucht, insbesondere wurde beispielsweise sein "Stabat mater" sowohl von Heinrich Heine als auch von Richard Wagner scharf attackiert. Bei näherer Betrachtung allerdings ist Rossinis kirchliche Musik in struktureller, harmonischer und melodischer Hinsicht anders beschaffen als in den Opern bzw. Operetten. Hier zeigt sich die Sensibilität Rossinis gegenüber den Anforderungen kirchlicher Musik. Auch wenn Stileinflüsse unüberhor auftauchen, fügt sich die Komposition bei Rossini ganz dem Inhalt des Textes. Dass er andere Losungen und Ausdeutungen findet als beispielsweise Mozart, Beethoven oder Schubert, liegt auf der Hand. Auch ist Rossinis Messe eher konzertant, denn für einen liturgischen Rahmen vorgesehen.